Marion Dimer (Inhaberin Pferdecoaching Brunnmatthof)

„Meine Mutter war schon im hohen Alter von 86 Jahren und hatte leider Ihre Sehkraft fast vollständig eingebüßt, weshalb das Selbst-Schreiben nicht mehr möglich war. Trotzdem wollten wir ihr Leben für unsere Familie und für sie schriftlich festhalten. Ich wandte mich an Frau Boehk und bat sie, diese Aufgabe zu übernehmen. Die Tage mit Frau Boehk waren ein großes Geschenk für meine Mutter. Frau Boehk hat mit ihrer fröhlichen, einfühlsamen Art sofort das Herz meiner eigentlich sehr reservierten Mutter gewonnen. Während der gemeinsamen Zeit konnte sie nicht nur ihr Leben Revue passieren lassen, sondern erkannte auch, dass sie trotz des Krieges ein schönes Leben hatte. Entstanden ist eine sehr authentische, sehr lesenswerte, liebevoll und professionell geschriebene Biografie, die jetzt, da sie uns verlassen hat, auch im Freundeskreis weitergereicht wird und auf große Begeisterung stößt.“

Eva Arendt

„Ich bin ein typisches Nachkriegskind. 1950 in Holstein geboren, begriff ich schnell, wann es besser war zu schweigen. Lange dachte ich, das wäre normal, unangenehme Dinge verschweigt man einfach, das machen Erwachsene so. Als ich dann selbst erwachsen war, fing ich an, in meiner Familie nachzubohren. Zu viele Geheimnisse, Gewalt und eine unnahbare Mutter. Zum Glück traf ich auf die richtigen Menschen in meinem Leben, hatte unzählige Gespräche über meine Kindheit und erntete bei aller Offenheit den Satz: Das musst du aufschreiben lassen. So war es dann. Ich traf Antje Boehk und eine Woche später saßen wir an meinem Wohnzimmertisch. Jetzt, nachdem meine Biografie abgeschlossen ist, fühle ich mich befreit. Für das In-Worte-fassen von Gedanken und Gefühlen bin ich Frau Boehk unendlich dankbar.“

Hans Werner Kleist

„Seit ich mein Unternehmen im Jahr 2008 verkauft hatte, dachte ich daran, eine Biografie verfassen zu lassen. Nicht nur über die Zeit als Unternehmer, auch über mein anderes Ich, Hans Werner, der Pianist, mein ganz großer Traum. Es wäre schade gewesen, hätte ich Freunden und Familienangehörigen dieses Kapitel vorenthalten. Frau Boehk zeigte sich bereit, mit mir zusammenzuarbeiten. Schnell drang sie zum Kern meines Seins und meiner Träume vor. Jetzt bin ich dankbar beide Gesichter, abgebildet auf einhundertzwanzig Seiten, durchblättern zu können. Im Alter von 81 Jahren spiele ich nun wieder regelmäßig Klavier, und ein paar andere halbvergessene Träume konnte ich zwischenzeitlich von meiner Wunschliste abhaken - ein gutes Gefühl.“

Leseprobe

„Als mich die Nachricht erreichte, die Russen erobern Sachsen, überkam mich nur ein Gedanke: Weg hier. Ich schnappte mir – draußen dämmerte es bereits – das nächstbeste Fahrrad eines Fremden. Es war ein klappriges Rad, für ein schlechtes Gewissen blieb mir keine Zeit. Ich hatte nur ein Ziel: Meine Eltern im dreihundert Kilometer entfernten Fischerdorf in Niederbayern wiederfinden. Hier waren meine Eltern zwischenzeitlich bei Bauern untergekommen. In meinem Rucksack verstaute ich Fotos, Zeugnisse, Dokumente, alles, was mir wichtig schien. Vorne am Lenkrad befestigte ich einen kleinen Beutel mit gekochten Kartoffeln, das musste genügen. Einen großen Teil der Strecke fuhr ich entlang der Autobahn. In einer Nacht, irgendwo im Vogtland, stand ein alter Mann vor mir. Ich erzählte von meinem Plan. Er bot mir an, für diese eine Nacht bei seiner Familie zu nächtigen. Sie lebten in einem winzigen Haus, mit gerade einmal einem Zimmer im Erdgeschoss und einem weiteren oben unter dem Dach. Das Bett des Sohnes überließen sie mir. Seitdem halte ich den Satz für wahr: Die ärmsten Menschen teilen gern. Auf einer kleinen Kochstelle brieten sie ein paar Kartoffeln. Was sie mir anboten, kam von Herzen und so schlief ich mit gefülltem Bauch eine Nacht lang durch.

Am nächsten Morgen nahm ich die Fahrt wieder auf. Jeden Tag fuhr ich zwischen sechzig und siebzig Kilometer. Einmal wurde es mir dann doch unwohl. Ich fuhr entlang der Autobahn, als plötzlich ein amerikanischer Posten vor mir stand. Die Jungs schienen mir allzu fröhlich. Soldaten winkten mit Schokolade, aber mein Bauch sagte, Achtung, das ist kein guter Ort für eine junge Frau. Ich war nicht sicher, ob sie mir, der Deutschen, gut- oder bösartig gesinnt waren, obwohl man behauptete, Amerikaner seien keine Gefahr. Was wusste ich schon? Ein ratternder Laster bewegte sich auf den Posten zu und sie waren für einen kurzen Moment abgelenkt. Die Gelegenheit, aus der Sichtlinie zu verschwinden. Kurze Zeit später überkam mich ein zweiter Schreck. Über meinem Kopf schoss ein Tiefflieger durch die Wolken. Der Lärm blies mir die Ohren weg. Ich sprang in den Straßengraben. Das war der einzige Moment, in dem mich die Angst mit voller Wucht packte. Für Tränen blieb keine Zeit, ich musste weiterkommen.

Fast eine Woche war ich nun schon unterwegs. Froh darüber, dass es wenigstens warm und das Fahrrad einigermaßen stabil war, fuhr ich in Richtung Hof bis nach Regensburg, wo die Brücken längst gesperrt waren. Am Ufer des Flusses waren ein paar Leute eifrig damit beschäftigt, Kähne auf die andere Seite zu schippern. Die einzige Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Ich brauchte nicht viel sagen, jemand half mir, das Rad in den Kahn zu wuchten und stieß mich vom Ufer ab. Zuerst führte mich die Strömung über die Regen, schließlich über die Donau, wo die Strecke ihr glückliches Ende fand. Die Sonne prallte auf mich ein. Mit Hautfetzen an den Beinen und dem Sonnenbrand meines Lebens kam ich am Nachmittag des 7. Mai in Fischerdorf an. Soweit ich blicken konnte, stand die neuerwachte Natur in den satten Farben des Mai-Grüns, hier und da unterbrochen von kleinen Laub- und Nadelwäldern, die von der Vernichtung verschont geblieben waren. Angekommen am Haus der Loibls – die Bauern, die meine Eltern aufnahmen – konnte ich die große Überraschung in ihren Augen sehen. Endlich hatten wir uns wieder. Im nächsten Augenblick wussten wir gar nicht, wie wir nun alle in dem kleinen Haus unterkommen sollten. Es war schlimm genug für die Loibls, ihr Haus mit Flüchtlingen teilen zu müssen. Jede Person mehr bedeutete eine Person zu viel. Heute bin ich dankbar, dass sie mir dieses Gefühl nie gaben.“

(Aus: „Rückwärtsgang ins Glück“, Barbara Dimer, 2014)